39 US-Bankenverbände bündeln Kräfte für Stablecoin-Netzwerk
39 US-amerikanische Bankenverbände haben mit der BankChain Alliance eine gemeinsame Initiative für ein bankeneigenes Blockchain-Netzwerk gestartet. Die Koalition vertritt nach eigenen Angaben 3.283 Banken mit einer Bilanzsumme von 21,8 Billionen US-Dollar und macht damit deutlich, dass etablierte Finanzinstitute die Infrastruktur für Stablecoins und tokenisierte Einlagen nicht kampflos Fintech- und Krypto-Anbietern überlassen wollen.
Die Meldung im Detail
Die am Dienstag angekündigte BankChain Alliance versteht sich laut Ankündigung als industrieeigenes, industriell gestaltetes und industriell verwaltetes Netzwerk. Interimsvorsitzende ist Kathy Kraninger, die zugleich die Florida Bankers Association leitet. Kraninger beschreibt das Projekt sinngemäß als sicheres, reguliertes und branchenbetriebenes Netzwerk, das Instituten jeder Größe moderne Fähigkeiten geben soll, damit sie Kunden in ländlichen, städtischen und regionalen Gemeinden weiterhin verlässlich bedienen können.
Angestrebt werden Stablecoins, tokenisierte Einlagen und automatisierte Abwicklung – funktional vergleichbar mit Ansätzen, die etwa einzelne Banken bereits mit Blockchain-basierten Zahlungslösungen verfolgen, allerdings auf breiterer, verbandsübergreifender Basis. Ein Technologiepartner steht laut Cryptonomist noch nicht fest, ein Start wird für 2027 anvisiert. Das Netzwerk soll zudem interoperabel mit anderen Systemen bleiben und nicht als geschlossene Insel funktionieren, offen auch für Banken außerhalb der 39 Gründungsverbände.

Warum jetzt: Regulatorischer Hintergrund
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der der US-Kongress über die Höhe der Zinserträge debattiert, die Stablecoin-Emittenten anbieten dürfen. Am 13. Juli schickte eine Koalition von Bankenverbänden einen Brief an US-Senatoren, in dem strengere Regeln im geplanten CLARITY Act gefordert wurden – dem Marktstruktur-Gesetz für digitale Assets, das derzeit im Senat verhandelt wird. Konkret geht es um Section 404 des Entwurfs, die Zahlungen allein fürs Halten von Stablecoins untersagt, aktivitätsbasierte Belohnungen aber weiterhin zulässt.

Die Bankenverbände sehen darin eine Lücke, über die Emittenten faktisch doch Renditen anbieten und damit direkt mit verzinsten Bankeinlagen konkurrieren könnten. Ein Cloture-Votum im September soll zeigen, ob die aktuelle Formulierung Bestand hat. Der Doppelansatz – eigene Infrastruktur aufbauen und gleichzeitig die Regeln für die Konkurrenz verschärfen – zeigt, wie ernst die Branche die Bedrohung für ihr Einlagengeschäft nimmt.
Einordnung: Tokenisierung als struktureller Trend
Für kleinere Regional- und Community-Banken ist ein gemeinsames Netzwerk vor allem eine Kostenfrage: Statt jeweils eigene digitale Infrastruktur aufzubauen, könnten sie über BankChain Zugang zu vergleichbaren Fähigkeiten erhalten wie große Häuser. Das reiht sich ein in eine breitere Entwicklung, bei der Tokenisierung zunehmend aus dem Pilotstadium heraustritt – ähnlich wie bei jüngeren Beispielen für tokenisierte Vermögenswerte auf öffentlichen Blockchains.
Ob BankChain seinen Zeitplan hält, hängt maßgeblich von der noch offenen Wahl des Technologiepartners und der Governance-Struktur ab. Klar ist bereits jetzt: Institutionelle Akzeptanz, Regulierung und Tokenisierung entwickeln sich zu den zentralen strukturellen Treibern für den Kryptosektor – und mit BankChain rückt erstmals eine landesweite, bankeneigene Alternative zu nicht-bankgebundenen Stablecoin-Anbietern in greifbare Nähe.