Zwischen Wachstum und Kürzungen: Anchorage baut Stellen ab
Anchorage Digital soll 17 Prozent seiner Belegschaft abbauen. Der gemeldete Schritt fällt in eine Phase, in der die US-Digital-Asset-Bank ihre institutionellen Aktivitäten ausweitet – darunter Verwahrung und Stablecoin-Emissionen – und Tether Anfang 2026 mit 100 Millionen US-Dollar einstieg.
Die Diskrepanz ist für den regulierten Krypto-Infrastruktursektor relevant: Selbst ein Unternehmen mit einer früheren Bewertung von 4,2 Milliarden US-Dollar und strategischer Finanzierung passt offenbar seine Personalstärke an ein schwieriges Marktumfeld an. Eine bestätigte Begründung des Unternehmens für den Abbau liegt bislang nicht vor.
Was über den Stellenabbau bekannt ist
Der Bericht von Cointelegraph stützt sich auf Informationen von The Information. Demnach informierte CEO Nathan McCauley die Beschäftigten in derselben Woche wie die Veröffentlichung am Freitag, 2. Oktober, über die Kürzungen. Anchorage hatte im Februar weltweit rund 400 Beschäftigte, wie McCauley damals bei einer Anhörung vor dem US-Kongress erklärte.
Auf Grundlage dieser damaligen Mitarbeiterzahl entsprächen 17 Prozent rechnerisch etwa 68 Stellen. Das ist eine Näherung und keine bestätigte Zahl gekündigter Beschäftigter: Die tatsächliche Belegschaft kann sich seit Februar verändert haben. Cointelegraph erklärte, Anchorage um eine Stellungnahme gebeten, aber zunächst keine unmittelbare Antwort erhalten zu haben.
Damit bleibt auch der genaue Umfang des Abbaus vorerst ein Medienbericht und keine vom Unternehmen öffentlich bestätigte Personalmitteilung. The Information berief sich laut Cointelegraph auf Personen, die mit der Angelegenheit vertraut seien. Eine offizielle Erklärung Anchorsages zu den Kürzungen war in der Berichterstattung nicht enthalten.
Regulierte Verwahrung und Stablecoins im Ausbau
Anchorage erhielt 2021 als erstes Krypto-Unternehmen eine nationale Trust-Charta des Office of the Comptroller of the Currency (OCC), der US-Bundesbehörde für die Aufsicht über national zugelassene Banken. Seitdem hat sich das Unternehmen zu einem bedeutenden Verwahrer digitaler Vermögenswerte entwickelt. Eine solche Stellung im regulierten US-Markt macht die gemeldeten Kürzungen besonders bemerkenswert, belegt für sich genommen aber weder einen Rückzug noch eine Änderung des Geschäftsmodells.
Zu den jüngeren Aktivitäten zählt die Ausgabe von Stablecoins, darunter USAT, Tethers neuer US-Stablecoin. Anfang 2026 investierte Tether strategisch 100 Millionen US-Dollar in Anchorage. Die verfügbaren Angaben erläutern jedoch nicht, wie das Investment strukturiert war oder ob es in direktem Zusammenhang mit den Personalentscheidungen steht; beides sollte daher nicht gleichgesetzt werden.
Marktabschwung trifft auf institutionelle Expansion
Cointelegraph ordnete den Stellenabbau vor dem Hintergrund eines länger anhaltenden Abschwungs am Kryptomarkt ein. Bitcoin erholte sich am Freitag, 2. Oktober, kurzzeitig über 87.000 US-Dollar, notierte laut Bericht aber weiterhin deutlich unter seinem Höchststand von 126.000 US-Dollar im Oktober des Vorjahres. Diese Marktdaten liefern Kontext, weisen den Abschwung aber nicht als abschließend belegte alleinige Ursache der Kürzungen aus.
Für Anleger liegt der zentrale Punkt im gleichzeitigen Auftreten zweier Entwicklungen: Anchorage baut seine Rolle bei institutionellen Dienstleistungen und Stablecoin-Emissionen aus, während die Belegschaft laut Bericht schrumpft. Das spricht zunächst für eine selektivere Ressourcenverteilung, lässt aber ohne Angaben zu Kosten, Umsatz und betroffenen Geschäftsbereichen keine belastbare Aussage über die operative Wirkung zu.
Entscheidend ist nun, ob Anchorage den Bericht bestätigt und weitere Angaben zum Umfang oder zu den Gründen macht. Bis dahin bleibt die Zahl von 17 Prozent eine berichtete Kürzung, während das Investment von Tether und der Ausbau bei USAT belegte, aber nicht automatisch miteinander verknüpfte Entwicklungen sind.