KI-Umbau setzt Bitcoin-Miner unter Kapitaldruck
Öffentliche Bitcoin-Miner verloren im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 75 EH/s realisierte Hashrate. Die dazu genannte Summe von rund 1,5 Mrd. US-Dollar ist ein geschätzter äquivalenter Hardware-Investitionswert – kein Beleg dafür, dass Maschinen in diesem Umfang verkauft oder physisch aus dem Netzwerk entfernt wurden.
Der Beitrag von Miner Weekly, veröffentlicht am Sonntag, 4. Oktober 2026, setzt für die Rechnung 20 US-Dollar je Terahash pro Sekunde (TH/s) an. Ein großer Teil des Hashrate-Rückgangs hing demnach mit der Umleitung von Strom in KI-Infrastruktur zusammen; die direkt gemeldeten HPC- und KI-Umsätze öffentlicher Miner waren laut einer früheren Ausgabe der Publikation im Quartalsvergleich um 52 Prozent gestiegen.
75 EH/s weniger Hashrate, 1,5 Mrd. Dollar Hardwarewert
Die Größenordnung ergibt sich aus einer einfachen Umrechnung: 75 EH/s entsprechen 75 Millionen TH/s. Multipliziert mit dem angenommenen Anschaffungspreis von 20 US-Dollar je TH/s ergibt das 1,5 Mrd. US-Dollar an Miningmaschinen.
Die Schätzung umfasst weder Gebäude noch elektrische Ausrüstung, Kühlung oder Installation. Sie bewertet also nicht den Gesamtaufwand für die Mining-Infrastruktur und misst auch nicht, wie viele Geräte tatsächlich stillgelegt, verkauft oder anderweitig eingesetzt wurden. Hashrate ist die Rechenleistung, die dem Netzwerk zur Verfügung steht; ein Rückgang dieser Kennzahl belegt für sich genommen keinen entsprechenden physischen Abbau.
Für Anleger liegt das Signal deshalb weniger in einem vermeintlichen Verkaufswert als in der Kapitalallokation: Betreiber lenken Energie und Standorte verstärkt in Richtung KI-Rechenleistung. Das Mining-Kerngeschäft verliert Kapazität, während neue HPC-Einnahmen erst anlaufen und die bereits finanzierte Hardware nicht zwingend anderweitig wirtschaftlich nutzbar ist.
Wertminderungen machen den Umbau bilanziell sichtbar
Eine separate Prüfung von TheEnergyMag zu zwölf Unternehmen beziffert Wertminderungen und Abschläge auf zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte im ersten Halbjahr 2026 auf rund 1,1 Mrd. US-Dollar. IREN und Core Scientific entfielen zusammen auf fast 89 Prozent dieser Summe. Sie ist nicht mit den geschätzten 1,5 Mrd. US-Dollar an äquivalentem Hardwarewert gleichzusetzen: Hier geht es um ausgewiesene bilanzielle Belastungen verschiedener Vermögenswerte.
Das Beispiel Cipher zeigt, wie schnell sich die Nutzung eines Standorts ändern kann. Die Miningmaschinen der Anlage Black Pearl erzielten 2025 einen Umsatz von 57,9 Mio. US-Dollar; nach einer Vereinbarung zur Umwandlung des Standorts in Hochleistungsrechnen verbuchte das Unternehmen zum Jahresende eine Wertminderung von 96,1 Mio. US-Dollar auf diese Maschinen. Der Vergleich illustriert den engen zeitlichen Übergang, belegt aber nicht die Gesamtrendite des Projekts.
IREN verbuchte von Januar bis Juni rund 695 Mio. US-Dollar an Wertminderungen und Abschlägen, darunter erhebliche Belastungen im Zusammenhang mit Mining-Assets, die durch KI-Konversionen verdrängt wurden. Nicht jede Position war jedoch eine Folge des KI-Umbaus: Core Scientific führte seine wesentliche Wertminderung im Mining auf die verschlechterte Wirtschaftlichkeit des Minings zurück.
Finanzierung und Stromversorgung werden zum nächsten Test
Der Ausbau, der nun teilweise umgewidmet wird, war teuer. Miner Weekly berichtete im März 2025 von nahezu 5 Mrd. US-Dollar an Ausgaben für Ausrüstung und Infrastruktur im vorangegangenen Berichtszyklus; separat ausgewiesene Käufe von Mininghardware überstiegen allein 2024 die Marke von 3 Mrd. US-Dollar. Diese Expansion trug dazu bei, dass das Bitcoin-Netzwerk 2025 den Zetahash-Bereich erreichte.
Der Umbau bindet weiter Kapital, bevor neue Einnahmen ihre volle Höhe erreichen. TeraWulf erzielte im ersten Halbjahr rund 53 Mio. US-Dollar an HPC-Leasingumsatz und zahlte konzernweit 131 Mio. US-Dollar Cash-Zinsen. Der Abstand verdeutlicht die Finanzierungslast, ist laut Quelle aber kein eigenständiger Beleg für finanzielle Not; Reserven und andere Einnahmen tragen ebenfalls zur Bedienung der Verpflichtungen bei. Auch die Finanzierung von KI-Rechenzentren durch Hut 8 zeigt, wie zentral Kapitalzugang für den Strategiewechsel ist.
Ein von Miner Weekly wiedergegebener Auszug aus The Information berichtet, Société Générale und SMBC gingen bei der Finanzierung von Rechenzentren selektiver vor; auch MUFG ziehe sich zurück. Strengere Kreditkonditionen, mehr Eigenkapital oder ein langsamerer Ausbau wären mögliche Folgen. Verzögerungen verlängern die Phase, in der Mining-Einnahmen bereits sinken, während der Ersatz noch Kapital erfordert.
Hinzu kommen Energie- und Genehmigungsrisiken. In New Mexico wurde im Juli erneut ein Antrag abgelehnt, eine Erdgasleitung für Project Jupiter teilweise durch staatliche Trust-Ländereien zu führen; eine verzögerte Eröffnung des Campus ist damit nicht belegt. New York pausierte Umweltgenehmigungen für neue Hyperscale-Projekte, Massachusetts führte zusätzliche Anforderungen ein und Chicagos Bürgermeister schlug ein einjähriges Moratorium vor. Die US-Notenbank erhöhte ihre Leitzinsspanne um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4 Prozent, was neue Kredite und Refinanzierungen verteuert. Der Erfolg des KI-Pivots hängt damit nicht allein an künftigen Umsätzen, sondern auch an der Verwertung alter Hardware, den Umbaukosten und dem Zeitpunkt, an dem neue Kapazitäten Erträge liefern. Auch Riots Umgang mit Bitcoin-Beständen steht im Kontext dieser veränderten Kapitalallokation.