Wale top, Retail flop: Was los mit Krypto?

Bitcoin befindet sich weiterhin klar im Bärenmarkt. Der Kurs konsolidiert aktuell bei rund 64.000 US-Dollar, ohne dass sich eine nachhaltige Aufwärtsdynamik entwickelt. Vom bisherigen Allzeithoch ist BTC damit weiterhin ungefähr 50 Prozent entfernt. Bei vielen Altcoins fällt die Bilanz noch deutlich schwächer aus: Ethereum notiert mehr als 60 Prozent unter seinem Rekordhoch, während Solana und zahlreiche weitere Altcoins Verluste von über 70 Prozent verkraften müssen.
Das Interesse am Kryptomarkt ist entsprechend gering, Angst und Zurückhaltung dominieren. Doch ausgerechnet jetzt zeigt sich eine interessante Diskrepanz zwischen privaten Anlegern und den größten Marktteilnehmern.
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Krypto-Wale kaufen den Bärenmarkt – Retail verkauft
Eine aktuelle Analyse von CryptoQuant zeichnet ein bemerkenswertes Bild: Während viele kleinere Anleger im schwachen Markt offenbar weiter verkaufen, nutzen große Marktteilnehmer die niedrigen Kurse zunehmend zur Akkumulation. Besonders deutlich wird diese Entwicklung bei Bitcoin und Ethereum. CryptoQuant fasst die Situation entsprechend zugespitzt zusammen: „Whales are buying this bear market. Retail is selling into it.“
Bei Bitcoin sind die Bestände großer Wallets im Verlauf des Jahres 2026 wieder gestiegen. Nach Angaben der Analyse halten sogenannte Whale-Adressen – ohne Börsen und Mining-Pools – derzeit ungefähr 3,06 Millionen BTC. Besonders aggressiv sei die Akkumulation gewesen, als Bitcoin im Juni zeitweise unter die Marke von 60.000 US-Dollar fiel. Zwar liegen die Bestände noch unter dem Hoch des vorherigen Bullenzyklus von rund 3,23 Millionen BTC, der Trend zeigt zuletzt jedoch wieder eindeutig nach oben.
Noch auffälliger ist die Entwicklung bei Ethereum. Wallets mit Beständen zwischen 10.000 und 100.000 ETH sollen inzwischen rund 19,6 Millionen ETH halten und damit einen neuen Höchststand erreicht haben. Die besonders großen Adressen mit mehr als 100.000 ETH hätten seit Mitte 2025 zusätzlich ungefähr 1,8 Millionen ETH aufgebaut. Gleichzeitig reduzieren kleinere Marktteilnehmer ihre Positionen.
Auch aus Bewertungssicht sieht CryptoQuant zunehmend typische Merkmale einer späten Bärenmarktphase. Bitcoin handelt zwar weiterhin über seinem sogenannten Realized Price von rund 52.900 US-Dollar, Ethereum liegt mit etwa 1.900 US-Dollar jedoch bereits deutlich unter seinem Realized Price von ungefähr 2.450 US-Dollar. Historisch können solche Bewertungsniveaus auf eine fortgeschrittene Bodenbildungsphase hindeuten.
Ein endgültiger Boden ist damit keineswegs bestätigt. Dennoch verbessert sich laut CryptoQuant zunehmend das Chance-Risiko-Verhältnis: Während Retail-Anleger angesichts der anhaltenden Schwäche kapitulieren, positioniert sich Smart Money bereits für eine mögliche nächste Marktphase.
Santiment-Daten bestätigen: Große Wallets akkumulieren weiter
Auch aktuelle Daten von Santiment stützen die These einer zunehmenden Divergenz zwischen großen und kleinen Bitcoin-Anlegern. Demnach haben Wallets mit Beständen zwischen 10 und 10.000 BTC seit dem 29. Juli ihre Positionen um rund 0,34 Prozent ausgebaut. Auffällig ist, dass diese Akkumulation trotz der schwachen Kursentwicklung anhält. Bitcoin bewegte sich zuletzt überwiegend in einer engen Spanne zwischen etwa 63.000 und 65.000 US-Dollar – für größere Marktteilnehmer offenbar kein Grund, sich zurückzuziehen.
Bei sehr kleinen Wallets zeigt sich dagegen das entgegengesetzte Bild. Adressen mit weniger als 0,01 BTC reduzierten ihre Bestände im gleichen Zeitraum um rund 0,59 Prozent. Laut Santiment handelt es sich dabei sogar um den stärksten Rückgang dieser Kohorte seit Dezember 2024. Gerade kleinere Marktteilnehmer scheinen die anhaltende Seitwärtsbewegung und die schlechte Stimmung somit zunehmend zum Ausstieg zu nutzen.
Als mögliche Gründe gelten unter anderem die Verunsicherung rund um den Coldcard-Hack, regulatorische Unsicherheiten sowie die fehlende Dynamik beim Bitcoin-Kurs. Während Retail-Anleger also zunehmend das Interesse verlieren, kaufen größere Marktteilnehmer weiter.
Santiment interpretiert diese Entwicklung grundsätzlich positiv. Die fortgesetzte Akkumulation großer Wallets könnte demnach die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Bitcoin zunächst wieder in Richtung 70.000 US-Dollar läuft, statt nachhaltig unter 60.000 US-Dollar abzurutschen. Eine Garantie ist dies natürlich nicht. Dennoch bestätigt die Entwicklung das derzeit auffälligste On-Chain-Muster: Schwäche auf der Oberfläche trifft auf zunehmende Akkumulation im Hintergrund.
Fazit: Die Angst steigt – doch Smart Money kauft
Der Kryptomarkt bleibt angeschlagen, die Kurse zeigen kaum Dynamik und besonders kleinere Anleger verlieren zunehmend die Geduld. Gleichzeitig liefern sowohl CryptoQuant als auch Santiment Hinweise darauf, dass größere Marktteilnehmer genau diese Schwächephase zur Akkumulation nutzen. Gerade diese Divergenz könnte für die weitere Entwicklung entscheidend werden. Ein Boden ist damit noch nicht bestätigt.
Doch während Retail verkauft und die Stimmung pessimistisch bleibt, positionieren sich Wale bereits offensiver. Historisch waren solche Phasen zumindest häufig Teil einer fortgeschrittenen Bodenbildung.
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