Könnten Stablecoins die US-Schuldenkrise lösen? Standard Chartered sieht Billionen-Nachfrage nach Staatsanleihen
Krypto-Stablecoins könnten kurz davor stehen, einen Teil der Geschichte der US-Verschuldung neu zu schreiben. Neue Untersuchungen (Link in Englisch) von Standard Chartered zeigen, dass der Sektor bis 2028 eine frische Nachfrage nach US-Schatzwechseln (Treasury Bills) in Höhe von bis zu 1 Bio. USD generieren könnte.
Mit dem Wachstum der Stablecoin-Emittenten wird erwartet, dass sie zu bedeutenden Käufern von Staatsanleihen werden und digitale Dollars in eine ernstzunehmende Kraft im traditionellen Finanzwesen verwandeln.
Wichtigste Erkenntnisse
- 2-Billionen-Kurs: Analysten prognostizieren, dass die gesamte Marktkapitalisierung von Stablecoins bis Ende 2028 auf 2 Billionen USD ansteigen wird, verglichen mit etwa 300 Milliarden USD heute.
- Knappheit bei Staatsanleihen: Es wird erwartet, dass Emittenten etwa 1 Billion USD an kurzfristigen T-Bills absorbieren, was ohne Anpassungen durch das Finanzministerium zu einem potenziellen Angebotsdefizit führen könnte.
- Regulatorische Treiber: Der Rahmen des GENIUS Act schreibt hochqualitative liquide Vermögenswerte für Reserven vor, was Emittenten dazu zwingt, ihre Bestände auf den Sektor der Anleihen mit 0-3 Monaten Laufzeit zu konzentrieren.
Warum werden Stablecoins zu einem Finanzierungskraftwerk?
Stablecoins sind längst nicht mehr nur Handelsinstrumente. Zwar gibt es bessere Alternativen zu BTC, aber sie entwickeln sich zu stetigen Käufern von US-Staatsschulden. Nach der Verabschiedung des GENIUS Act im Juli 2025 sind regulierte Emittenten verpflichtet, Reserven in hochqualitativen liquiden Vermögenswerten zu halten, hauptsächlich in kurzlaufenden Staatsanleihen.
Das Angebot liegt heute bei fast 300 Mrd. USD. Standard Chartered betrachtet die jüngste Verlangsamung als vorübergehend und erwartet künftig ein starkes Wachstum, insbesondere aus Schwellenländern.
Wenn Menschen in Ländern mit hoher Inflation in Dollar-Stablecoins umschichten, fließen die Deckungsreserven direkt in US-Schuldtitel. Die Krypto-Nachfrage stützt somit im Hintergrund die Rentenmärkte.
Analyse der 1-Billion-Dollar-Prognose
Die Analysten von Standard Chartered, Geoffrey Kendrick und John Davies, erläuterten die Mechanismen.
Sie erwarten, dass Stablecoins bis 2028 auf eine Marktkapitalisierung von 2 Bio. USD anwachsen werden. Allein diese Expansion könnte eine neue Nachfrage nach kurzfristigen Schatzwechseln in Höhe von 0,8 Bio. USD bis 1 Bio. USD schaffen, hauptsächlich am vorderen Ende der Zinskurve.

Vereinfacht ausgedrückt könnten Stablecoin-Emittenten zu einigen der größten Käufer von T-Bills werden. Wenn die Emissionsmuster gleich bleiben, deutet der Bericht auf eine Übernachfrage von etwa 0,9 Bio. USD in den nächsten drei Jahren hin.
Etwa zwei Drittel dieses Wachstums werden laut Prognose aus Schwellenländern kommen. Und der Großteil davon wäre eine rein neue Nachfrage, nicht nur eine Umschichtung bestehender Treasury-Allokationen.
Das stellt eine ernsthafte strukturelle Stütze für US-Staatsanleihen dar.
Auswirkungen auf die US-Schuldenemission
Die Größenordnung ist so bedeutend, dass das US-Finanzministerium sie nicht ignorieren kann.
Wenn sich die Emissionen nicht anpassen, könnten kurzlaufende T-Bills knapp werden. Finanzminister Scott Bessent hat bereits angedeutet, dass Stablecoins ein wichtiger Bestandteil der Finanzierung der US-Regierung werden könnten.

Daraus ergibt sich ein beidseitiger Nutzen. Der Dollar stärkt seine Rolle in digitalen Märkten, und die Regierung gewinnt einen stetigen Käufer für ihre Schulden.
Eine engere Integration bedeutet jedoch auch eine strengere Aufsicht. Während neue Stablecoin-Regeln voranschreiten, wird die Koordination zwischen privaten Emittenten und der öffentlichen Schuldenverwaltung weiter zunehmen.
Innovationen finden rund um verschiedene Besicherungsmodelle statt, doch Staatsanleihen stehen für die regulatorische Zulassung nach wie vor im Mittelpunkt.
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